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Die Sprache der Täter: Was wirklich in Telegram-Gruppen passiert

Von Fiona Harms (Gründerin Schutzschild Verlag & Forensische Analystin) Juli 2026 6 Min. Lesezeit
TRIGGERWARNUNG: Dieser Artikel zitiert reale, explizite und extrem verstörende Chatverläufe aus Täter-Netzwerken. Es geht um sexualisierte Gewalt, Bilderverrat und Inzest-Fantasien. Wer sensibel auf diese Themen reagiert, sollte diesen Text nicht lesen.

Wir müssen aufhören, uns in die Tasche zu lügen. Die meisten Eltern glauben, ihr Kind postet ja „nur“ ein normales Selfie auf Instagram oder TikTok. Was soll da schon passieren?

Die Realität sieht anders aus. Während wir über Bildschirmzeiten und Datenschutzrichtlinien diskutieren, existiert im Hintergrund eine gigantische, maschinell organisierte Schattenwirtschaft. Ein globaler Marktplatz der Demütigung. Wir sprechen hier nicht vom Darknet, für das man den Tor-Browser braucht. Wir sprechen von Telegram. Von Gruppen mit tausenden Mitgliedern, die auf den Handys in der U-Bahn neben uns existieren.

Ich habe Einblick in eine dieser Gruppen erhalten. Fast 3.500 Mitglieder. Was dort gehandelt wird, sprengt jede Vorstellungskraft. Es ist wichtig, dass wir verstehen, wie diese Täter operieren und welche Sprache sie sprechen. Nur wenn wir die Mechanik kennen, können wir unsere Kinder schützen.

(Hinweis: Die folgenden Screenshots wurden von uns stark zensiert, um die Opfer zu schützen und keine Täterprofile zu reproduzieren. Die Texte sind reale Zitate.)

Screenshot aus dem Telegram Täter-Netzwerk Beweismittel #1: Organisierte Täter-Strukturen und der Handel mit Bildern des eigenen Umfelds. (Profilbilder/Namen zensiert)

Das Forensik-Glossar: Die Mechanik des Bilderverrats

Diese Gruppen haben ihren eigenen Jargon. Es geht um Macht, Kontrolle und den Verrat des eigenen sozialen Umfelds. Hier ist die Übersetzung dessen, was dort wirklich passiert:

1. IRLs ("In Real Lifes")

Das Zitat: "Dm me as im out of dms and have tons of irls to share. Id love to see yours..."
Die Realität: IRLs sind Bilder von echten Mädchen und Frauen aus dem realen, direkten Umfeld des Täters. Das sind keine Pornodarstellerinnen. Das sind Mitschülerinnen, Nachbarinnen, Ex-Freundinnen oder Kolleginnen. Ein harmloses Selfie im Sommerkleid, das auf Instagram gepostet wurde, wird in diese Gruppen gezogen, dort systematisch sexualisiert und als Tauschware angeboten.

2. Traden / Trade

Das Zitat: "Jemand Sachen Traden? oder hat jemand snap Gruppen?"
Die Realität: "Trade" ist der Tauschhandel mit dem Vertrauen. Es ist das harte Währungssystem dieser Netzwerke. Ein Täter bietet heimliche Bilder seiner Schwester oder Freundin an und fordert dafür als Gegenleistung das Bildmaterial der Bekannten eines anderen Täters. Es ist ein brutaler Verrat am eigenen, nahen Umfeld.

Weiterer Screenshot aus dem Telegram Täter-Netzwerk Beweismittel #2: Aufrufe zu Tributes und Voice Call Wixgames. (Profilbilder/Namen zensiert)

3. Tribute / Tributer

Das Zitat: "Who wants to make tribute on my wife and my young stepdaughter? dm me"
Die Realität: Eine der abartigsten Dominanz- und Demütigungspraktiken. Ein Täter stellt das Bild eines Opfers (im erschütterndsten Fall, wie hier zitiert, die eigene junge Stieftochter) in die Gruppe. Er fordert andere Männer auf, auf dieses Bild zu ejakulieren und das Resultat als Foto oder Video ("Tribute") an ihn zurückzuschicken. Es geht um die ultimative, kollektive Erniedrigung der abgebildeten Person, die davon in der Regel absolut nichts ahnt.

4. Wixgame / Voice Calls

Das Zitat: "wer will zsm im voice call auf seine girls oder influencer wixxen? Ich bewerte auch von 1-10"
Die Realität: Die organisierte Gruppen-Erniedrigung findet live statt. Täter schalten sich in Voice-Chats zusammen, laden die gestohlenen Bilder ihrer Bekannten ("seine girls") hoch, bewerten sie auf einer Skala und masturbieren gemeinsam dazu. Die Hemmschwelle ist durch die Gruppendynamik und die Anonymität faktisch bei Null.

Das Fazit: Zerstört die Illusion

Das hier ist keine dystopische Fiktion. Das passiert in diesem Moment, tausendfach, in unzähligen Gruppen. Der Täter ist nicht der unsichtbare Hacker im Keller. Der Täter ist der Mitschüler, der Ex-Freund, der Nachbar – er sitzt am Küchentisch.

Die Realität ist bitter: Schickt keine intimen Bilder. Auch nicht an den eigenen Freund. Für viele Täter in diesen Netzwerken ist das reine Trophäenjagd. Sie sammeln diese Bilder wie Pokémon-Karten, um in ihren Gruppen damit zu prahlen und zu "traden". Das Liebesbeweis-Bild von heute ist die Handelsware von morgen.

Die einzige Prävention ist kompromisslose Aufklärung. Reißt die Masken ab. Sprecht mit euren Kindern darüber, dass jedes Bild, das sie ins Netz stellen oder privat verschicken, potenziell zur Beute für diese Netzwerke werden kann.

Aber das Wichtigste für euch als Eltern: Reagiert nicht mit Panik. Wenn euer Kind zu euch kommt, weil ein Bild weitergeleitet wurde oder jemand Druck ausübt, darf niemals geschimpft oder das Handy weggenommen werden (Schutzschild-Regel: Keine Bestrafung). Seid der sichere Hafen. Sprecht einfühlsam mit ihnen, seid ihr "erwachsener Lieblingsmensch" und löst das Problem gemeinsam. Wir brauchen digitale Körperautonomie und ein starkes, radikales Schutzschild.

Fiona Harms

Fiona Harms 👑

Gründerin des Schutzschild Verlags, forensische Analystin, Gamerin und Überlebende. Sie verbindet radikale Authentizität und eigene Erfahrungen mit analytischer Schärfe aus über 56.000 ausgewerteten Akten, um Schulen, Behörden und Familien mit wirksamen Notfall-SOPs auf Augenhöhe auszustatten.